Wir hören ständig: “Corona beschleunigt die Digitalisierung”. Und das ist in vielen Bereichen auch so! Doch die Nutzung von mobilen Endgeräten, Arbeiten aus dem Homeoffice und fast ausschließliche Besprechungen über Videokonferenzsysteme hat nichts mit “digitaler Transformation” zu tun. Gedruckt wird nach wie vor! Vielleicht nicht mehr so viel in den Büros, aber die Volumina der Transaktionsdrucker und daraus resultierende Anzahl der Postsendungen hat Corona-beding kaum abgenommen.
Warum müssen im Jahr 2021 beispielsweise Gehaltsabrechnungen oder Rechnungen noch gedruckt werden, anstatt diese dem Mitarbeiter oder Kunden digital zuzustellen? Warum bekomme ich drei Sendungen von einer Bank an einem Tag?
Warum sendet mir eine Versicherung eine Beitragserhöhung und eine Beitragsbestätigung nicht in einem Umschlag (Wegen der “Customer Experience”: weil sie nicht wollen, dass der Kunde eine gute und eine schlechte Nachricht in einem Umschlag erhält! Das kann man sich nicht ausdenken!?) Warum verschwendet man Papier für Kommunikation, die eine Lesedauer von weniger als 8 Sekunden hat, wenn sie nicht sogar sofort ungelesen in den Müll wandert?
Warum bringt man “rechtliche Fragestellungen und Unsicherheiten bei der digitalen Zustellung” vor, um dann doch wieder den analogen Prozess zu bedienen? Das ist doch alles im deutschen und europäischen Recht (DSGVO-konform und ohne Cloud-Act) geklärt.
Die Technologie ist vorhanden und implementierbar. Bemerkung am Rande: gerade der Einsatz von “amerikanischen” Signaturen ohne eindeutige Identifikationsverfahren im Kontext der DSGVO ist gegebenenfalls sehr kritisch, aber dennoch weit verbreitet im deutschsprachigen Raum.
Laut Statista wurden in 2020 allein durch die Deutsche Post 14 Mrd. Postsendungen analog zugestellt. Wir sehen hier zwar ein Trend nach unten, aber das Einsparpotenzial ist weiterhin enorm.
Was genau bedeuten die 14 Mrd. Briefsendungen für unsere Umwelt?
Was machen wir jetzt mit der Erkenntnis?
Mein Appell an alle Unternehmen lautet: “Hinterfragt den Status Quo”.
“Wir machen das immer schon so”, “wir haben aber die Abteilung/den Prozess, etc.” oder “Wir können das nicht ändern” sind Ausreden. Eine Veränderung bedarf keiner großen IT-Projekte, sondern nur den Mut bestehende Prozesse zu überdenken. Wir haben es in unserer Hand. Die Umweltbelastungen werden nicht weniger, wenn man nichts ändert oder “nur” Klimakompensation betreibt.
Was wir brauchen, ist ein wirkliches Umdenken in Form von Nicht-Drucken und konsequenter Digitalisierung. Verschlankung und Überarbeitung der Prozesse hilft der Umwelt. Die Digitalisierung schlechter Prozesse oder einfaches Benutzen von E-Mails – mangels besserer Ideen – ist auch keine Lösung!